Überblick Maßnahmen der Ökosozialen Steuerreform 2022

Der Nationalrat hat am 20.01.2022 das ökosoziale Steuerreformgesetz und das Klimabonusgesetz auf Basis der Regierungsvorlage vom 16.12.2021 abgesegnet. Diese Reform besteht aus vier wesentlichen Eckpunkten:

  • Den arbeitenden Menschen soll mehr zum Leben bleiben
  • Es werden Anreize für umweltfreundliches Verhalten gesetzt
  • Es wird eine Standortpolitik betrieben, die Wachstum ermöglicht
  • Die Schuldenquote Österreichs wird Schritt für Schritt zurückgefahren

Entlastungen

Tarifsenkungen bei Einkommen(Lohn)Steuer und Körperschaftsteuer

Mit Wirkung wird ab 1. Jänner 2022 die zweite Tarifstufe der Einkommen/Lohnsteuer gesenkt. Damit werden für Einkommensbestandteile zwischen EUR 18.000,00 und EUR 31.000,00 der Steuersatz im Jahr 2022 auf 32,50 % (von bisher 35 %) und ab 01.01.2023 auf 30 % reduziert.

Mit Wirkung ab 1. Jänner 2023 wird die dritte Tarifstufe der Einkommen/Lohnsteuer gesenkt. Damit wird für Einkommensbestandteile zwischen EUR 31.000,00 und EUR 60.000,00 der Steuersatz im Jahr 2023 auf 41 % (von bisher 42 %) und ab 01.01.2024 auf 40 % reduziert.

Körperschaftsteuer

Der Körperschaftsteuersatz wird im Jahr 2023 von derzeit 25 % auf 24 % und ab 2024 auf 23 % gesenkt. Für abweichende Wirtschaftsjahre gilt eine Sondervorschrift, sodass es zu einer zeitlichen Abgrenzung der jeweiligen Einkommensteile vor dem 01.01.2023 (besteuert mit 24 %) kommen muss. Diese Abgrenzung kann gemäß Übergangsbestimmung entweder durch einen Zwischenabschluss oder pauschal durch eine Aufteilung nach Monaten (Division des Jahresergebnisses durch 12, multipliziert mit den jeweiligen Monaten 2022/2023 bzw. 2023/2024 erfolgen.

Entlastung von Geringverdienern, Pensionisten und Familien

Um Steuerpflichtige sowie PensionistInnen mit niedrigen und mittleren Einkommen auch finanziell zu entlasten wird der SV-Bonus auf EUR 650,00 erhöht. Gleichzeitig wird die Einschleifregelung für Einkommen von EUR 16.000,00 bis EUR 24.500,00 ausgeweitet. Damit wird im Rahmen der Veranlagung eine Entlastung von bis zu EUR 250,00 im Jahr erreicht. Der Pensionsabsatzbetrag wird für Pensionseinkünfte bis EUR 17.000,00 im Jahr von derzeit EUR 600,00 auf EUR 825,00 und der erhöhte Pensionistenabsetzbetrag für Pensionseinkünfte bis EUR 19.930,00 im Jahr von derzeit EUR 964,00 auf EUR 1.214,00 angehoben.

Erhöhung des Familienbonus plus

Der Familienbonus plus wird von EUR 1.500,00 auf EUR 2.000,00 pro Jahr und Kind (bis zum 18. Geburtstag) angehoben. Der erhöhte Familienbonus plus wird ab 1. Juli 2022 berücksichtigt. Somit beträgt die Erhöhung 2023 EUR 250,00 und ab 2023 EUR 500,00 jährlich. Für Kinder nach dem 18. Geburtstag erhöht sich der Familienbonus plus von bisher EUR 500,00 pro Kind und Jahr, auf EUR 650,00 pro Kind und Jahr. 2022 erhöht sich der Familienbonus plus um EUR 75,00 und ab 2023 um EUR 150,00 jährlich. Der Kindermehrbetrag wird von EUR 250,00 auf EUR 450,00 erhöht. 2022 erhöht sich der Kindermehrbetrag um EUR 100,00, ab 2023 um EUR 200,00 jährlich.

Einführung einer steuerfreien Mitarbeitergewinnbeteiligung

Ab 1. Jänner 2022 können ArbeitgeberInnen an Ihre MitarbieterInnen zusätzlich zum Gehalt eine Gewinnbeteiligung von bis zu EUR 3.000,00 im Jahr steuerfrei auszahlen.

Voraussetzungen dafür sind:

  • die Gewinnbeteiligung muss allen ArbeitnehmerInnen oder bestimmten Gruppen gewährt werden;
  • die Summe der Gewinnnbeteiligungen muss im unternehmensrechtlichen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) des letzten, vor der Auszahlung endenden Geschäftsjahres, des Unternehmens gedeckt sein;
  • bei der Gewinnbeteiligung darf es sich um keine Gehaltsumwandlung handeln

Entlastung für UnternehmerInnen

Einführung eines (ökologischen) Investitionsfreibetrag (IFB)

Um Anreize für (ökologische) Unternehmensinvestitionen zu schaffen wird ein Investitionsbetrag in § 11 EStG 1988 (wieder) eingeführt.

  • der IFB kann erstmals für abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens geltend gemacht werden, die nach dem 31.12.2022 angeschafft oder erstellt werden;
  • der IFB stellt eine zusätzliche Betriebsausgabe dar und wird grundsätzlich 10 % der Anschaffungs- oder Herstellkosten beantragen;
  • bei Wirtschaftsgütern aus dem Bereich der Ökologisierung (die diesbezügliche Definition wird auf Basis einer bisher noch nicht vorliegenden Verordnung erfolgen) erhöht sich der IFB auf 15 %;
  • Voraussetzung für die Geltendmachung des IFB sind die Aufnahme ins Anlageverzeichnis und der Ausweis des IFB an der richtigen Stelle in der Steuererklärung
  • geltend gemacht werden kann der IFB für abnützbare Anlagegüter, die einen inländischen Betrieb bzw. Betriebsstätte zuzurechnen sind und eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer für die AfA von zumindest 4 Jahren haben.
    Ausgeschlossen sind
    :
    – Gebäude, KFZs (mit Ausnahme von Elektrofahrzeugen);
    – geringwertige Wirtschaftsgüter, die sofort abgesetzt werden;
    – unkörperliche Wirtschaftsgüter, solange diese nicht den Bereichen Digitalisierung, Ökologisierung und Gesundheit/Life Science zuzuordnen sind;
    – gebrauchte Wirtschaftsgüter;
    – bestimmte Anlagen, die der Förderung, den Transport oder der Speicherung fossiler Energieträger dienen, sowie bestimmte Anlagen, die fossilen Energieträger direkt nutzen;
  • der IFB kann nur für Anschaffungs-/Herstellungskosten von EUR 1.000.000,00 pro Kalenderjahr geltend gemacht werden;
  • durch den IFB wird die AfA-Bemessungsgrundlage nicht berührt, er stellt also im ersten Jahr wirtschaftlich eine Art von zusätzlicher AfA dar.

Anhebung der GWG-Grenze

Die Grenze für die sofortige Absetzung geringwertiger Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens wird für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2022 beginnen, auf EUR 1.000,00 (derzeit EUR 800,00) angehoben.

Anhebung des Gewinnfreibetrages

Der Grundfreibetrag des Gewinnfreibetrages wird für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2021 beginnen, von bisher 13 % auf 15 % angehoben. Demnach können künftig bei einem entsprechenden Gewinn bis zu EUR 4.500,00 ohne Nachweis entsprechender Investitionen als Grundfreibetrag und damit Betriebsausgabe, geltend gemacht werden.

Verkürzung des Vorsteuerberichtigungszeitraums für gemeinnützige Bauträger

Der Vorsteuerberichtigungszeitraum von bisher 20 Jahre auf 10 Jahre wird für den Erwerb von Mietwohnungen mit Kaufoption von gemeinnützigen Bauträgern gemäß § 15c WGG verkürzt. Die Änderung tritt mit 01.04.2022 in Kraft und soll auf Vorgänge nach dem 31.03.2022 angewendet werden.

Ökologisierungsmaßnahmen CO2-Bepreisung und Kompensation

Ab 1. Juli wird von Inverkehrbringen von fossilen Kraft- und Treibstoffen (Kohle, Erdgas und Erdölprodukte) eine Abgabe (CO2-Abgabe) eingehoben. Die Höhe hängt von den Treibhausgasemissionen dieser Energieträger ab. Die Energielieferarten müssen Emissionszertifikate kaufen und je nach tatsächlichem Emissionsausstoß in entsprechender Anzahl an die, eigens dafür eingerichtete, Behörde im Folgejahr wieder abgeben. Nicht verwendete CO2-Zertifikate müssen gegen eine Refundierung des Kaufpreises retourniert werden. Die dadurch entstehenden Zusatzkosten können von den Händlern direkt an ihre Kunden, also auch an Unternehmen der Immobilien- und Baubranche, weitergegeben werden. Zur Abmilderung der Mehrbelastung der finanziellen Mehrbelastung durch die CO2-Bepreisung plant der Gesetzgeber folgende soziale Ausgleichsmaßnahmen mit der Steuerreform 2022:

  • Klimabonus für natürliche Personen als EndverbraucherInnen
  • Vermeidung von Doppelbelastungen aufgrund einer Teilnahme am EU-ETS (EZG 2011): Da die Immobilien- und Baubranche erst ab 2026 in den EU-ETS eingebunden werden soll, fällt sie bis dahin nicht unter diese Begünstigung.
  • Kompensations-Rückverteilungsmechanismus für bestimmte Unternehmen: Darunter ist eine (teilweise) Rückzahlung der weiterverrechneten Abgabe zu verstehen. Dadurch sollen die Land- und Forstwirtschaft und Härtefälle entlastet werden. Ebenso soll eine Produktionsverlagerung ins Ausland vermieden und die internationale Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Betriebe nicht beeinträchtigt werden. Von dieser Entlastung sollen nur jene Unternehmen profitieren, die zwischen 50% (Einführungsphase) und 80% der Rückvergütung (ab 2024) in Klimaschutzmaßnahmen investieren. Zur näheren Ausgestaltung des Kompensations-Rückverteilungsmechanismus wird noch eine gesonderte Verordnung ergehen. Zur Forcierung der Ökologisierung des Immobilienbestandes in Österreich wäre es sinnvoll, wenn die Immobilien- und Baubranche bei entsprechend hohen Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen unter den Kompensations-Rückverteilungsmechanismus fallen würde. Ob und in welchem Ausmaß Mehrkosten der Immobilien- und Baubranche abgemildert werden können, ist aber derzeit noch nicht abschätzbar.

Umsetzung des Handels mit nationalen Emissionszertifikaten

  • Einführungsphase – Phase I: Juli 2022 bis Dezember 2023
    – Weitgehende Anknüpfung an das bestehende System der Energieabgaben, vereinfachtes Verfahren zur Registrierung, Überwachung, Berichterstattung und Abgabe von Emissionszertifikaten an Händler.
    – CO2-Preis pro Tonne: 30 EUR (ab 07/2022) bzw. 35 EUR (ab 01/2023)*
  • Übergangsphase – Phase II: Jänner 2024 bis Dezember 2025
    – Flexibilisierung und Ausbau des nationalen Emissionszertifikatehandels, strengere Anforderungen an die Handelsteilnehmer;
    – CO2-Preis pro Tonne: 45 EUR (ab 01/2024) bzw. 55 EUR (ab 01/2025) *)
    *) Ein Preisstabilitätsmechanismus kann jedoch in Abhängigkeit von der Entwicklung der Energiepreise und des Verbraucherpreisindex 2025 zu einer Anpassung der Ausgabepreise der Emissionszertifikate führen.
  • Marktphase – Phase III: ab Jänner 2026
    – Emissionszertifikate werden frei handelbar sein und nicht mehr zu Fixpreisen ausgegeben
    – In die konkrete Ausgestaltung wird die Entwicklung auf europäischer Ebene einfließen, auch eine Überführung in das EU-ETS wäre möglich.

Regionaler Klimabonus

Um die Belastung durch die CO2-Bepreisung für die Bevölkerung auszugleichen, sollen die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung rückvergütet werden. Der regionale Klimabonus wird an jede natürliche Person, die zumindest mehr als 183 Tage im Kalenderjahr ihren Hauptwohnsitz in Österreich gehabt hat, ausbezahlt. Für Personen, die Familienbeihilfe beziehen und das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, wird der Klimabonus an den Bezieher der Familienbeihilfe ausbezahlt.
Der Klimabonus besteht aus einem Sockelbetrag und einem Regionalausgleich. Der Sockelbetrag wird im Jahr 2022 EUR 100,00 für jeden Erwachsenen und EUR 50,00 für Minderjährige betragen.
Ausgehend von der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und von der lokal vorhandenen technischen und sozialen Infrastruktur werden die österreichischen Gemeinden in 4 Kategorien eingeteilt. Abhängig von der Einstufung der Hauptwohnsitzgemeinde wird ein Regionalausgleich von EUR 0 bis EUR 100 für das Kalenderjahr 2022 gewährt. Für Menschen mit gewissen Behinderungen wird fiktiv angenommen, dass sich ihr Hauptwohnsitz in einer Gemeinde der Kategorie IV befindet und daher der höchste Regionalausgleich gewährt. Für Minderjährige wird der Regionalausgleich zu 50 % gewährt.

Die Gesamthöhe des Klimabonus für das Jahr 2022 stellt sich derzeit je nach Klassifikation der Wohnsitzgemeinde wie folgt dar:

Befreiung der Elektrizitätsabgabe für selbst hergestellten und verbrauchten Strom

Das Elektrizitätsabgabegesetz neu gefasst werden, um die Lesbarkeit und Verständlichkeit zu erhöhen. Neben redaktionellen Anpassungen wird weiters die Elektrizitätsabgabe für selbst aus erneuerbaren Energien hergestellten Strom, der vom Erzeuger bzw im Fall einer Energiegemeinschaft von den Mitgliedern selbst verbraucht wird. Die bisher bestehende Grenze von 25.000 kWh wird aufgegeben und die Befreiung auf alle erneuerbaren Energien ausgeweitet. Die Änderungen sollen für Vorgänge nach dem 1.7.2022 anwendbar sein.

Steuerliche Förderung für den Austausch fossiler Heizsysteme und die umfassende Sanierung

Für die thermische Sanierung von Gebäuden sowie für den Austausch von fossilen Heizungssystemen durch klimafreundliche Heizungssysteme können ab der Veranlagung 2022 pauschale Sonderausgaben berücksichtigt werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Maßnahmen vom Bund im Rahmen des Umweltförderungsgesetzes gefördert werden, die Datenübermittlung gemäß Transparenzdatenbankgesetz erfolgt und die Ausgaben abzüglich erhaltener Förderung größer als EUR 4.000 bei thermischer Sanierung bzw EUR 2.000 bei Austausch des Heizungssystems waren.
Der anzusetzende Pauschalbetrag beträgt EUR 800 für thermische Sanierungen und EUR 400 für den Austausch von Heizungssystemen und kann für 5 Jahre in der Steuererklärung/Arbeitnehmerveranlagung berücksichtigt werden.
Sollten weitere geförderte Maßnahmen umgesetzt werden, für die ein pauschaler Abzug von Sonderausgaben zusteht, dann verlängert sich der Zeitraum auf 10 Jahre, wobei sich der Pauschalsatz ab dem 6. Jahr nach der weiteren getätigten Maßnahme richtet.
Sonderausgaben können angesetzt werden für Maßnahmen, für die nach dem 31.3.2022 ein Antrag auf Förderung gestellt wurde und für die die Förderung nach dem 30.6.2022 ausbezahlt wurde.

Reform der Besteuerung von Kryptowährungen

Im Gesetz wird folgende Definition für Krpytowährungen festgelegt:
„Eine Kryptowährung ist eine digitale Darstellung eines Werts, die von keiner Zentralbank oder öffentlichen Stelle emittiert wurde oder garantiert wird und nicht zwangsläufig an eine gesetzlich festgelegte Währung angebunden ist und die nicht den gesetzlichen Status einer Währung oder von Geld besitzt, aber von natürlichen oder juristischen Personen als Tauschmittel akzeptiert wird und die auf elektronischem Wege übertragen, gespeichert und gehandelt werden kann.“

In der am 20.01.2022 im Nationalrat stattgefundenen 1. Lesung der Reform, auf Basis der Regierungsvorlage vom 16.12.2021, wird die Neuregelung der Besteuerung von Kryptowährungen nun ab dem 01.03.2022 neu geregelt. Einkünfte aus Kryptowährungen werden ab dem 01.03.2022 größtenteils unter die Einkünfte aus Kapitalvermögen gegliedert werden. Die wichtigsten Details zur Behandlung von Kryptowährungen im steuerlichen Privatvermögen finden Sie im folgenden Abschnitt:

Übergangsregelung per Stichtag 01.03.2021
Sämtliche vor dem 01.03.2021 angeschafften Kryptowährungen (zur Definition oben) sollen als „Altvermögen“ gelten, weshalb auf diese “ALT“-Kryptowährungen auch künftig bei ihrer Veräußerung das bisherige bzw. dann alte „Regime“ anzuwenden ist. Alle nach dem 28.02.2021 angeschafften Kryptowährungen (=“Neuvermögen“), also Anschaffungen innerhalb eines Jahres vor dem geplanten Inkrafttreten der Regelung am 1.3.2022 und alle künftigen Anschaffungen fallen unter das neue Besteuerungsregime.

TIPP: Die Veräußerung von Altvermögen, für welche die 1-jährige Spekulationsfrist zum 01.03.2022 bereits abgelaufen ist oder sein wird, kann somit auch künftig steuerfrei erfolgen; somit ist aus steuerlichen Gründen kein „Notverkauf“ notwendig. Wird Altvermögen gegen andere Kryptowährungen dann steuerfrei getauscht, fallen die neu erhaltenen Kryptowährungen mit den neuen Anschaffungskosten in das neue Besteuerungsregime.

In der Regierungsvorlage wurde klargestellt, dass für laufende Einkünfte aus Kryptowährungen (siehe hierzu weiter unten) ab dem 01.03.2022 immer die neuen Besteuerungsregelungen zur Anwendung kommen, unabhängig davon, ob Altvermögen oder Neuvermögen hierzu verwendet wird. Darüber hinaus wurde ergänzt, dass auf Antrag des Steuerpflichtigen für den Zeitraum 01.01.2022 bis 28.02.2022 Einkünfte aus der steuerpflichtigen Veräußerung (somit Veräußerungen innerhalb der 1-jährigen Spekulationsfrist) von Kryptowährungen, welche noch unter das alte Besteuerungsregime fallen würden, dem neuen Besteuerungsregime unterworfen werden. Täusche zwischen Kryptowährungen sind demnach steuerfrei, Veräußerungen gegen Fiat-Geld unterliegen dem besonderen Steuersatz von 27,5% (anstatt einer Besteuerung beider Sachverhalte von bis zu 55%).

Wegfall der 1-jährigen Spekulationsfrist und Steuerfreiheit von Trades zwischen Kryptowährungen

Neuvermögen, Spekulationsbesteuerung noch bis 28.2.2022: Sämtliche Kryptowährungen, die nach dem 28.02.2021 angeschafft wurden, unterliegen bei Veräußerung (Trades zwischen Kryptowährungen, Tausch in Fiat-Geld und gegen Waren/Dienstleistungen) bis inklusive 28.02.2022 noch den Bestimmungen der Einkünfte aus Spekulationsgeschäften (Besteuerung bis zu 55 % Einkommensteuer). Zum Antrag ab 01.01.2022 siehe oben.

Kapitaleinkünfte: Ab dem 01.03.2022 unterliegen Gewinne aus dem Tausch gegen Fiat-Geld (auch Fremdwährungen wie z.B. USD) und Dienstleistungen von Neuvermögen dem besonderen Steuersatz von 27,5 %. Täusche zwischen Kryptowährungen sind ab dem 01.03.2022 steuerfrei, wobei die Anschaffungskosten durch den Tausch fortgeführt werden; somit kommt es zu einer Verschiebung der Besteuerung der stillen Reserven.

In der Regierungsvorlage wurde nun klargestellt, dass Stablecoins Kryptowährungen iSd neuen Besteuerungsregimes darstellen, womit ein steuerfreier Tausch möglich ist. Non-Fungible Token („NFTs“) hingegen sind grundsätzlich nicht von der Definition Kryptowährung umfasst. Ein Tausch einer Kryptowährung in einen NFT und umgekehrt stellt somit einen steuerpflichtigen Tausch dar.

TIPP: Ab dem 01.03.2022 wird somit eine Verlustverrechnung mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen, die dem besonderen Steuersatz von 27,5 % unterliegen (Veräußerungsgewinne aus Aktien/Anleihen, Dividenden, Zinsen aus Anleihen, verbrieften Derivaten etc.), möglich sein. Eine Verrechnung von Krypto-Verlusten anderen Schedulen-Einkünften (Privatdarlehen siehe unten), mit Sparbuchzinsen (25%-Schedule) oder sonstigen Einkünften nach § 29 EStG ist nicht zulässig.

Besteuerung von Decentralized Finance (DeFi) Vorgängen

Entgelte für die Überlassung von Kryptowährungen an andere Marktteilnehmer (z.B. auf Handel mit Kryptowährungen spezialisierte Unternehmen oder ein Netzwerk) – darunter fallen Lending, Staking und Bereitstellung von Kryptowährungen für Liquiditäts- bzw. Kreditpools (hierunter ist uE Liquidity Mining und Yield Farming zu subsumieren) – sind künftig bei Zufluss mit dem besonderen Steuersatz zu besteuern – sofern public placement stattfindet, wovon unseres Erachtens grundsätzlich auszugehen ist.

Dies hat zur Folge, dass eine Verlustverrechnung mit Einkünften aus realisierten Wertsteigerungen aus Kapitalvermögen (Aktien, Anleihen, Kryptowährungen etc.) möglich ist. Findet hingegen kein public placement statt, erfolgt die Besteuerung der Einkünfte zum progressiven Steuertarif und gelten andere Regelungen für eine mögliche Verlustverrechnung.

Besteuerung von Staking, Airdrops, Bounties und Hardforks

Zugänge aus (delegated) Staking („Leistung zur Transaktionsverarbeitung besteht lediglich im Einsatz von vorhandenen Kryptowährungen“, wie z.B. ETH 2.0), Airdrops („unentgeltliche Übertragung“), Bounties („Übertragung für unwesentliche sonstige Leistungen) und Hardforks („Abspaltung der ursprünglichen Blockchain“) stellen zunächst keine Einkünfte dar, die Anschaffungskosten sind allerdings mit Null anzusetzen, womit es auch hier zu einer Verschiebung der Besteuerung bis zur tatsächlichen Veräußerung kommt. Im Zeitpunkt einer etwaigen Veräußerung der erhaltenen Rewards unterliegen die daraus generierten Gewinne dem besonderen Steuersatz von 27,5%.

Besteuerung von Mining im Privatvermögen

Einkünfte aus Mining im Privatvermögen sollen zukünftig unabhängig vom Konsensalgorithmus mit dem besonderen Steuersatz von 27,5 % versteuert werden, sofern der Umfang der Tätigkeit nach Art und Umfang über eine reine Vermögensverwaltung nicht hinausgeht. Liegt hingegen ein Gewerbebetrieb vor, sind die Einkünfte wie bisher mit dem progressiven Tarif von bis zu 55 % zu versteuern.

Wegzugbesteuerung iZm Neuvermögen

Durch die Klassifizierung von Kryptowährungen („Neuvermögen“) unter Einkünfte aus Kapitalvermögen kommen ab dem 01.03.2022 auch die Bestimmungen der Wegzugbesteuerung zur Anwendung. Wohingegen es bei einem Wegzug in ein Drittland (z.B. Panama oder VAE) zu einer sofortigen Besteuerung der stillen Reserven zum Wegzugzeitpunkt in Österreich kommt, kommt es bei einem Wegzug in einen EU/EWR-Staat auf Antrag zur Nichtfestsetzung und erst bei der tatsächlichen Veräußerung (Tausch in Fiat-Geld oder gegen eine Dienstleistung) zu einer Besteuerung in Österreich.

Die Wegzugsbesteuerung wird auch dann anwendbar sein, wenn Kryptowährungen („Neuvermögen“) an einen „Steuerausländer“ geschenkt werden oder durch andere Umstände ein Verlust des Besteuerungsrechtes der Republik Österreich eintritt.

Kapitalertragsteuer-Abzug (KESt) auf Krypto-Assets ab 01.01.2024

Die KESt-Pflicht ist mit einer verlängerten Übergangsfrist von zwei Jahren verankert: Insofern ein inländischer Dienstleister eine Realisation von Kryptowährungen abwickelt oder sofort steuerpflichtige laufend Einkünfte aus Kryptowährungen gutschreibt, soll dieser ab dem 01.01.2024 verpflichtet sein, 27,5% Kapitalertragsteuer einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen.

Tipp: Ihre THT-Berater stehen Ihnen selbstverständlich bei der Weiterhilfe und Klärung offener Fragen, sowie eventueller notwendigen Unterlagen, gerne zur Verfügung.